Mittwoch, 8. August 2012

Weniger ist manchmal mehr

Was für Menschen gilt, gilt auch für Unternehmen und Geschäfte: Sie brauchen einen Namen. Über Namen von Friseurgeschäften ist schon einiges geschrieben worden. Wie verhält es sich aber eigentlich mit dieser „…und mehr“-Kette. Wie einfallslos sind Geschäftsführende, wenn sie ihren Laden „…und mehr“ nennen? „Pflanzen und mehr“, „Buch und mehr“, „Brief und mehr“ oder auch „Wein und mehr“ die Liste ließe sich unendlich fortfahren. Was soll denn „…und mehr“ heißen. Heißt es, dass ich dort, wo ich Bücher finde auch Unterwäsche verkauft wird, also bei Kaufhof ist das so. Heißt es, dass ich dort, wo ich Pflanzen kaufen kann, auch Milch kaufen kann, also bei Aldi ist das so.  Wo die Kreativität bei der Namensfindung ungeahnte Formen annimmt, wie im Friseurhandwerk, reicht die Kreativität bei manchen Geschäftsinhabern nicht mal zu einem richtigen Namen. Ok, bei einem Namen wie „Wein und mehr“ denke ich schon, dass es dort nicht nur Wein gibt, sondern auch passendes Zubehör, sprich Gläser, Kellnermesser vielleicht das ein oder andere kulinarische Leckerli. Ich verstehe die Not, und mit der Formulierung „…und mehr“ verdeutlicht man dem Kunden, dass eben nicht nur Wein oder Bücher angeboten wird. Aber davon würde ich sowieso ausgehen. Ich wünsche mir entweder mehr Kreativität oder wenigstens mehr Persönlichkeit. Warum nicht einfach der Name des Besitzers, sofern er sich eignet. Obwohl: Das Haarhaus „Schleimer“ gibt es in Münster schon lange!

Montag, 6. August 2012

Wer kann, der kann

Das Essen ist verzehrt, die Gläser sind geleert. Und was nun? Der Gast möchte bezahlen. Die Rechnung kann auf unterschiedlichste Weise bestellt werden. Eine meiner „liebsten“ Formulierungen ist: „Kann ich bezahlen?“
Nun gibt es im Deutschen zweierlei Bedeutungen von „können“. Zum einen beschreibt man damit die Möglichkeit und zum anderen die Fähigkeit. Also: „Ich kann kochen, weil ich es gelernt habe“ (Fähigkeit), oder „Ich kann kochen, weil ich eine schöne neue Küche habe“ (Möglichkeit).
Warum fragen Gäste also, ob sie zahlen „können“? Denn jedes Lokal bietet selbstverständlich die Möglichkeit zu zahlen, sonst wäre es ja irgendwann insolvent, denn es gibt da diesen notwendigen Zusammenhang zwischen der Inanspruchnahme einer Dienstleistung und der Vergütung dafür.
Warum also „Kann ich bezahlen?“ Sollte es sich also um die Fähigkeit drehen, dann sollte der Gast auf jeden Fall zahlen können, denn Essen zu gehen, mit dem Vorwand, dafür nicht bezahlen zu können, ist sogar strafbar. (Falls ich merke, dass ich mein Portemonnaie vergessen habe, dann natürlich nicht, ob es sich um Vorsatz handelt, müssen dann andere klären.) Wenn es sich um die Fähigkeit handeln sollte, warum dann die merkwürdige Fragestellung?
Oder wird etwa die Fähigkeit des Kellners in Frage gestellt? Heute muss der Keller häufig nicht mal mehr rechnen, der Orderman und andere Kassensysteme machen es möglich. Also die Rechenfähigkeit ist nicht eingeschränkt. Gerichte haben zudem entschieden, dass es zumutbar ist 30 Minuten auf die Rechnung zu warten, dann erst darf man einfach so gehen, also falls der Service sehr beschäftigt ist, heißt es warten.

Fortsetzung folgt…

Donnerstag, 2. August 2012

Unwort des Monats

Früher nach einem langen Arbeitstag hat man sich aufs Sofa gesetzt, den Fernseher angemacht und sich entspannt. Später hat man sich nach einem langen Arbeitstag auf sein  Sofa gesetzt und relaxt. Irgendwie war da klar, dass man einfach nichts macht. Deutlicher wurde diese Tatsache mit der Formulierung „abhängen“. Nein, das heißt nicht, dass die Wäsche trocken ist, sondern schlichtweg, dass man nichts (Besonderes) macht. Schon seit längerer Zeit wurde, entspannen, relaxen und abhängen von dem hübschen englischen „chillen“ abgelöst. Wie „relaxen“ hat „chillen“ seinen Ursprung im Englischen und heißt eben so viel. Wie so oft ist „chillen“ der Jugendsprache entsprungen. Trotz der Tatsache, dass mir klar ist, dass „chillen“ entspannen heißt und bedeutet, dass man nicht besonders produktiv ist, klingt es für mich doch irgendwie nach mehr. Denn während „nichts tun“ in aller Deutlichkeit die Unproduktivität illustriert, hat man bei „chillen“ noch den Eindruck von irgendeiner Tätigkeit. Einzig bei dem Neologismus „chillaxen“ verspürt man den Hauch vom süßen Nichtstun.

Freitag, 27. Juli 2012

Alles frisch oder was?

Wenn es Sommer und wenn es heiß wird, dann spielt eine Sache eine wichtige Rolle: Die Frische. Die Frische scheint nicht selbstverständlich, denn anstatt alte Brötchen vom Vortag, gibt es doch tatsächlich täglich frisches Backwerk beim Bäcker, schier unglaublich. Kürzlich habe ich in einem amerikanischen Kaffeehaus mal frischen Kaffee bekommen und nicht die abgestandene Brühe vom Vormittag.  Dass der Frischhändler frischen Fisch verkauft, sollte man auch riechen können (oder vielmehr nicht), denn der Fisch beginnt ja bekanntlich am Kopf an zu stinken. Allerdings frage ich mich dann, warum es „neuer“ Matjes heißt, denn Matjes kann das ganze Jahr produziert werden. Frische ist natürlich wichtig, aber die erwarte ich auch bei bestimmten Dingen, gerade Lebensmitteln. Die meisten Supermärkte wollen ihre Frische deutlich machen, indem sie die Obst und Gemüse-Abteilung in den Eingangsbereich platzieren. Duftendes Obst und glänzendes Gemüse sollen zum Kauf anregen und Frische assoziieren. 

Doch Frische bezieht sich nicht nur auf Lebensmittel, der Mensch sollte auch frisch sein, daher gibt es Deodorants. Und heutzutage gibt es sogar Deos, die scheinbar ewig „frisch halten“, durch diesen Blogbeitrag wurde ich zum ersten Mal darauf aufmerksam: http://zeitvertreiber.blogspot.de/2011/05/fur-hygienemuffel.html.

Doch nicht nur oben herum soll Frische herrschen, sondern auch unten herum, also an den Füßen, daher gibt es Frischesohlen. Diese lustigen Einlagen, die man kauft, weil man am Schuhwerk gespart und auf das gute Leder verzichtet hat. 

In Zeiten der Eurokrise liest man immer wieder von „frischem“ Geld. Banken sollen sich frisches Geld holen, die wirtschaftsschwachen Euroländer brauchen frisches Geld. Anders riechen wird es wohl nicht, denn pecunia non olet. Wie wird es denn dann frische verbreiten? In Zeiten der Rezession hätte, frisches oder gar neues Geld gar nichts gebracht, mehr Scheine heißt ja leider nicht auch automatisch mehr Reichtum, in Italien oder Jugoslawien war man früher recht schnell Millionär, nur was das leider nichts wert, was heißt also „frisches Geld“?

Dank an T.S. für den Frischetipp.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Keine halben Sachen

Es wird immer bedauerlicher, dass Lektoren zwar dringend gebraucht, leider aber nicht bezahlt werden wollen.
Der Prospekt eines Supermarkts verspricht jedenfalls ganze oder doch etwa halbe Melonen (Der Name der Melonensorte wäre im übrigen ebenfalls eine Diskussion wert):



Offenbar reiht sich "ganze halbe" nun in die Formulierungsliste zwischen  „meistens immer“ und „mit ohne“ ein.

Freitag, 4. Mai 2012

Über den Tellerrand

Die Gastronomie hält so manches lustige Equipment bereit. So gibt es zum Beispiel Teller in Form von Fischen. Klar, es ist verständlich, dass es spezielle Teller für, vor allem ganze, Fische geben sollte, schließlich haben die meisten Fische eine ovale, längliche Form. Außerdem wäre es mitunter ein Unding, diese Fische einfach auseinander zu schneiden, damit sie auf den runden Teller passen. (Dazu eine kleine Randbemerkung: Ich frage mich auch schon immer, wann endlich die Bäcker und Metzger ihr Brot und ihre Wurst normen, damit schließlich die Wurst richtig auf das Brot passt, dazu fällt mir auch noch dieser Sketch von Mr. Bean ein: 


Nun gibt es aus mir unverständlichen Gründen Fischteller, die nicht nur oval sind, sondern sogar einen Fisch abbilden. Das wirkt doch ein wenig wie Teller für Kinder mit Motiv. Damit die Kinder brav aufessen, werden am Boden ihre Helden sichtbar. Warum gibt es denn dann keine Teller in Kuhform? Sicher, man isst kein ganzes Rind, aber ein ganzes Hähnchen/Taube isst man, aber Teller in Hühner- oder Taubenform habe ich noch nicht gesehen. Ein Gemüseteller zeichnet sich auch dadurch aus, dass AUF ihm Gemüse liegt, nicht, dass er wie Gemüse aussieht. 
Wenn ich in einem Kaufhaus einen Fischteller suche, muss ich dann in die Haushaltswarenabteilung oder in das Restaurant?

Donnerstag, 3. Mai 2012

Über-Schulden

Es sind mal wieder Wahlen und zwar Landtagswahlen in NRW.  Während die einen mit ihrem Namen kokettieren, die anderen auf den Studiengebührenverzicht stolz sind, interessiert sich eine inzwischen kleine Randgruppenunternehmerpartei hauptsächlich für den Schuldenabbau.
Das lässt mich über das Thema Schulden nachdenken. Nun kenne ich mich (leider) im politischen Geschehen nicht so weit aus, um sagen zu können, ob Schulden eines Bundeslandes nun wirklich so schlimm sind, wie von der Partei der Mittdreißiger-Jungspunde dargestellt, denn Schulden an sich hat ja wahrscheinlich jeder Bundesbürger. Jeder, der ein Handy mit Vertag kauft, bezahlt es jeden Monat ab und hat somit wohl irgendwie „Schulden“, denn vertraglich hat er zugesichert, einen bestimmten Betrag monatlich zu zahlen. Kaum ein Haus- oder Wohnungsbesitzer legt einfach so 200.00 EUR auf den Tisch. Zwar darf sich ein Hausbesitzer „Eigentümer“ nennen, allerdings ist er es tatsächlich womöglich erst nach 20 (!) Jahren. Ein städtisches Schwimmbad wird auch nicht einfach so aus dem Topf der städtischen Mittel bezahlt, sondern auch finanziert (Warum auch nicht?) Worin liegt nun eigentlich der Unterschied? Bei Spielschulden spricht man sogar von "Ehrenschulden", also sind Schulden nun gut oder schlecht oder gar nichts davon?

Samstag, 21. April 2012

Willi, das Brot

Dass Friseurläden immer absurdere Namen tragen (Haarem, Haarlekin, Mata Haari, Haarley) dürfte langsam bekannt sein. Lustig und kreativ ist das zwar oft, aber ob das sein muss, halte ich für fraglich, nunja, jedes Ding braucht seinen Namen.
Apropos Namen: Mein Bäcker um die Ecke hat ein Brot im Angebot, das "Willi" heißt. Zu der Namensfindung habe ich keine Informationen, allerdings finde ich es komisch, an der Theke diese Brot zu bestellen, denn wie heißt es eigentlich:

"Ich hätte gerne einen Willi".      ODER      "Ich hätte gerne ein Willi." (also ein Willi-Brot)



Ein anderer Bäcker verkauft Brötchen, die "Kernige Jungs" heißen. Damit habe ich schon zwei Probleme, denn grammtisch korrekt, müsste es "Kernige Jungen" (Plural von "der Junge" ist nunmal "die Jungen")heißen, ich lasse es hier aber mal als lustiger Name durchgehen. Der Plural ist allerdings das größere Problem für mich, denn ich kaufe auch gerne mal nur ein Brötchen, bzw. ein Brötchen von der einen und ein Anderes von der anderen Sorte. 

Wie bestelle ich also nur EIN Brötchen der oben genannten Sorte:

"Ich hätte gerne ein Kernige Jungs." ODER doch "Ich hätte gerne einen Kernigen Jungen." 

Wobei das eine grammatisch irgendwie falsch klingt, hört sich das Andere irgendwie nach einer Wunschvorstellung an.