Früher nach einem langen Arbeitstag hat man sich aufs Sofa
gesetzt, den Fernseher angemacht und sich entspannt. Später hat man sich nach
einem langen Arbeitstag auf sein Sofa
gesetzt und relaxt. Irgendwie war da klar, dass man einfach nichts macht.
Deutlicher wurde diese Tatsache mit der Formulierung „abhängen“. Nein, das
heißt nicht, dass die Wäsche trocken ist, sondern schlichtweg, dass man nichts (Besonderes)
macht. Schon seit längerer Zeit wurde, entspannen, relaxen und abhängen von dem
hübschen englischen „chillen“ abgelöst. Wie „relaxen“ hat „chillen“ seinen Ursprung
im Englischen und heißt eben so viel. Wie so oft ist „chillen“ der
Jugendsprache entsprungen. Trotz der Tatsache, dass mir klar ist, dass „chillen“
entspannen heißt und bedeutet, dass man nicht besonders produktiv ist, klingt
es für mich doch irgendwie nach mehr. Denn während „nichts tun“ in aller
Deutlichkeit die Unproduktivität illustriert, hat man bei „chillen“ noch den
Eindruck von irgendeiner Tätigkeit. Einzig bei dem Neologismus „chillaxen“
verspürt man den Hauch vom süßen Nichtstun.
Herzlich Willkommen auf meinem Blog!
Hier gibt es Banales & Alltägliche, sowie Anspruchsvolles & Sprachliches zu lesen.
Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!
Donnerstag, 2. August 2012
Freitag, 27. Juli 2012
Alles frisch oder was?
Wenn es Sommer und wenn es heiß wird, dann spielt eine Sache
eine wichtige Rolle: Die Frische. Die Frische scheint nicht selbstverständlich,
denn anstatt alte Brötchen vom Vortag, gibt es doch tatsächlich täglich
frisches Backwerk beim Bäcker, schier unglaublich. Kürzlich habe ich in einem
amerikanischen Kaffeehaus mal frischen Kaffee bekommen und nicht die
abgestandene Brühe vom Vormittag. Dass
der Frischhändler frischen Fisch verkauft, sollte man auch riechen können (oder
vielmehr nicht), denn der Fisch beginnt ja bekanntlich am Kopf an zu stinken.
Allerdings frage ich mich dann, warum es „neuer“ Matjes heißt, denn Matjes kann
das ganze Jahr produziert werden. Frische ist natürlich wichtig, aber die
erwarte ich auch bei bestimmten Dingen, gerade Lebensmitteln. Die meisten Supermärkte
wollen ihre Frische deutlich machen, indem sie die Obst und Gemüse-Abteilung in
den Eingangsbereich platzieren. Duftendes Obst und glänzendes Gemüse sollen zum
Kauf anregen und Frische assoziieren.
Doch Frische bezieht sich nicht nur auf Lebensmittel, der
Mensch sollte auch frisch sein, daher gibt es Deodorants. Und heutzutage gibt
es sogar Deos, die scheinbar ewig „frisch halten“, durch diesen Blogbeitrag
wurde ich zum ersten Mal darauf aufmerksam: http://zeitvertreiber.blogspot.de/2011/05/fur-hygienemuffel.html.
Doch nicht nur oben herum soll Frische herrschen, sondern
auch unten herum, also an den Füßen, daher gibt es Frischesohlen. Diese lustigen
Einlagen, die man kauft, weil man am Schuhwerk gespart und auf das gute Leder
verzichtet hat.
In Zeiten der Eurokrise liest man immer wieder von „frischem“
Geld. Banken sollen sich frisches Geld holen, die wirtschaftsschwachen
Euroländer brauchen frisches Geld. Anders riechen wird es wohl nicht, denn pecunia
non olet. Wie wird es denn dann frische verbreiten? In Zeiten der Rezession
hätte, frisches oder gar neues Geld gar nichts gebracht, mehr Scheine heißt ja
leider nicht auch automatisch mehr Reichtum, in Italien oder Jugoslawien war
man früher recht schnell Millionär, nur was das leider nichts wert, was heißt also
„frisches Geld“?
Dank an T.S. für den Frischetipp.
Dank an T.S. für den Frischetipp.
Donnerstag, 5. Juli 2012
Keine halben Sachen
Es wird immer bedauerlicher, dass Lektoren zwar dringend
gebraucht, leider aber nicht bezahlt werden wollen.
Der Prospekt eines
Supermarkts verspricht jedenfalls ganze oder doch etwa halbe Melonen (Der Name der Melonensorte wäre im übrigen ebenfalls eine Diskussion wert):
Offenbar reiht sich "ganze halbe" nun in die Formulierungsliste zwischen „meistens immer“ und „mit
ohne“ ein.
Freitag, 4. Mai 2012
Über den Tellerrand
Die Gastronomie hält so manches lustige Equipment bereit. So
gibt es zum Beispiel Teller in Form von Fischen. Klar, es ist verständlich,
dass es spezielle Teller für, vor allem ganze, Fische geben sollte, schließlich
haben die meisten Fische eine ovale, längliche Form. Außerdem wäre es mitunter
ein Unding, diese Fische einfach auseinander zu schneiden, damit sie auf den
runden Teller passen. (Dazu eine kleine Randbemerkung: Ich frage mich auch
schon immer, wann endlich die Bäcker und Metzger ihr Brot und ihre Wurst
normen, damit schließlich die Wurst richtig auf das Brot passt, dazu fällt mir
auch noch dieser Sketch von Mr. Bean ein:
Nun gibt es aus mir unverständlichen
Gründen Fischteller, die nicht nur oval sind, sondern sogar einen Fisch
abbilden. Das wirkt doch ein wenig wie Teller für Kinder mit Motiv. Damit die Kinder
brav aufessen, werden am Boden ihre Helden sichtbar. Warum gibt es denn dann
keine Teller in Kuhform? Sicher, man isst kein ganzes Rind, aber ein ganzes
Hähnchen/Taube isst man, aber Teller in Hühner- oder Taubenform habe ich noch
nicht gesehen. Ein Gemüseteller zeichnet sich auch dadurch aus, dass AUF ihm
Gemüse liegt, nicht, dass er wie Gemüse aussieht.
Wenn ich in einem Kaufhaus
einen Fischteller suche, muss ich dann in die Haushaltswarenabteilung oder in
das Restaurant?
Donnerstag, 3. Mai 2012
Über-Schulden
Es sind mal wieder Wahlen und zwar Landtagswahlen in NRW. Während die einen mit ihrem Namen kokettieren,
die anderen auf den Studiengebührenverzicht stolz sind, interessiert sich eine
inzwischen kleine Randgruppenunternehmerpartei hauptsächlich für den
Schuldenabbau.
Das lässt mich über das Thema Schulden nachdenken. Nun
kenne ich mich (leider) im politischen Geschehen nicht so weit aus, um sagen zu
können, ob Schulden eines Bundeslandes nun wirklich so schlimm sind, wie von
der Partei der Mittdreißiger-Jungspunde dargestellt, denn Schulden an sich hat
ja wahrscheinlich jeder Bundesbürger. Jeder, der ein Handy mit Vertag kauft,
bezahlt es jeden Monat ab und hat somit wohl irgendwie „Schulden“, denn vertraglich
hat er zugesichert, einen bestimmten Betrag monatlich zu zahlen. Kaum ein Haus-
oder Wohnungsbesitzer legt einfach so 200.00 EUR auf den Tisch. Zwar darf sich ein Hausbesitzer „Eigentümer“
nennen, allerdings ist er es tatsächlich womöglich erst nach 20 (!) Jahren. Ein
städtisches Schwimmbad wird auch nicht einfach so aus dem Topf der
städtischen Mittel bezahlt, sondern auch finanziert (Warum auch nicht?) Worin liegt nun eigentlich
der Unterschied? Bei Spielschulden spricht man sogar von "Ehrenschulden", also sind Schulden nun gut oder schlecht oder gar nichts davon?
Samstag, 21. April 2012
Willi, das Brot
Dass Friseurläden immer absurdere Namen tragen (Haarem,
Haarlekin, Mata Haari, Haarley) dürfte langsam bekannt sein. Lustig und kreativ ist das zwar oft, aber ob das sein muss, halte ich für fraglich, nunja, jedes Ding braucht seinen Namen.
Apropos Namen: Mein Bäcker um die Ecke hat ein Brot im Angebot, das "Willi" heißt. Zu der Namensfindung habe ich keine Informationen, allerdings finde ich es komisch, an der Theke diese Brot zu bestellen, denn wie heißt es eigentlich:
"Ich hätte gerne einen Willi". ODER "Ich hätte gerne ein Willi." (also ein Willi-Brot)
Ein anderer Bäcker verkauft Brötchen, die "Kernige Jungs" heißen. Damit habe ich schon zwei Probleme, denn grammtisch korrekt, müsste es "Kernige Jungen" (Plural von "der Junge" ist nunmal "die Jungen")heißen, ich lasse es hier aber mal als lustiger Name durchgehen. Der Plural ist allerdings das größere Problem für mich, denn ich kaufe auch gerne mal nur ein Brötchen, bzw. ein Brötchen von der einen und ein Anderes von der anderen Sorte.
Wie bestelle ich also nur EIN Brötchen der oben genannten Sorte:
"Ich hätte gerne ein Kernige Jungs." ODER doch "Ich hätte gerne einen Kernigen Jungen."
Wobei das eine grammatisch irgendwie falsch klingt, hört sich das Andere irgendwie nach einer Wunschvorstellung an.
Dienstag, 6. März 2012
Nicht, dass der schmale Klaus noch platzt
Manche Irrtümer bekommt man aus den Köpfen der Menschen wahrscheinlich nie raus. Gelegentlich sind es nur Banalitäten und manchmal machen sie einen entscheidenden
Unterschied. Ein bekanntes Beispiel ist der Unterschied zwischen Platzangst und
Klaustrophobie. Bisweilen platze ich fast, wenn ich wieder höre, dass jemand in
einem Aufzug Platzangst bekommt. Wer unter Platzangst leidet, hat natürlich
keine Angst davor zu platzen (obwohl es das bestimmt auch gibt), sondern Psychologen
nennen die Angst vor großen Plätzen „Platzangst“ oder Agoraphobie, darin enthalten das griechische Wort agora für „Platz“ und phobie für „Angst“. Interessanterweise
ist es aber so, dass in der Umgangssprache die meisten Leute von „Platzangst“
sprechen, wenn sie sich in Räumen, Aufzügen oder in einer dichten Menschenmasse
befinden. Dies wird jedoch von Psychologen als Raumangst bezeichnet, also die
Angst in engen Räumen oder lateinisch/griechisch Klaustrophobie.
Wie kommt es, dass die Klaustrophobie so ein sprachliches
Schattendasein führt? Liegt es an Klaus? Liegt es an dem Fremdwort an sich?
Liegt es daran, dass der moderne Mensch egoistisch und egozentrisch denkt und
somit Platz auf seinen eigenen persönlichen Bewegungsraum bezieht? Erstaunlicherweise
kennt kaum jemand den Begriff „Raumangst“, obwohl fast jeder das Gefühl kennt
in einer Menschenmasse unterzugehen. Liegt es daran, dass man den Begriff „Raum“
eher mit Weite verbindet? Oder warum gibt es Raumteiler, wenn nicht aus dem
Grund, dass man unter Raum etwas Größeres versteht. Man spricht ja auch von „weiträumig“,
„Freiraum“ oder „Weltraum“. Fragen, die leider ungeklärt bleiben müssen.
Dennoch: Fassen wir nochmal zusammen:
Platzangst (Agoraphobie) = Angst vor öffentlichen Plätzen
Raumangst (Klaustrophobie) = Angst vor engen Räumen
Montag, 5. März 2012
Pünktlichkeit ist eine Zier oder Warten auf Godot
Dieser Tage darf ich mal wieder warten. Warten auf Menschen,
die mich warten lassen, weil ihre Zeit offenbar wichtiger ist als meine.
War früher Pünktlichkeit ein Zeichen von Höflichkeit, so
scheint es heutzutage nicht mehr so zu sein, denn es gibt eigentlich kaum noch
jemanden, der wirklich pünktlich ist. In Zeiten von Unverbindlichkeiten kann man
fast gar nicht zu spät kommen, denn die modernen Kommunikationsmöglichkeiten
geben den Menschen die Gelegenheit, Termine kurzfristig zu verschieben oder gar
ganz abzusagen. Daher umso trauriger, wenn Menschen diese Chance nicht nutzen.
Jeder, der noch extrem überpünktlich ist, hat das Nachsehen,
denn er muss die Zeit warten, die er zu früh ist (klar: eigene Schuld) und die
Zeit, die der andere zu spät kommt (Fremdverschulden), das können dann mal gut
und gerne 20 Minuten sein, die der überpünktliche Mensch verschwendet hat.
Woran liegt es eigentlich, dass Menschen zu spät kommen?
Gewöhnlich macht man einen Termin zu einer Uhrzeit aus, die sich jeder gut
merken kann, die volle oder halbe Stunde dienen als einfache Zeitpunkte. Interessanterweise
trifft sich niemand um 17.47Uhr oder um 19.23Uhr, wobei diese Zeitangabe so
genau ist, wie 18.00Uhr oder 19.30h. Die Abfahrtzeiten von Zügen sind ebenfalls
minutengenau angegeben. Es bleibt dahingestellt, ob der Zug nun pünktlich ist
oder nicht allein die Tatsache der Zeitangabe ist hier bemerkenswert und in
diesem Fall erwartet der Fahrgast, dass der Zug genau um diese Zeit abfährt.
Warum kann man nicht erwarten, dass sich Freunde, Bekannte oder auch Fremde
pünktlich einfinden? Klar, gibt es immer Gründe, warum man zu spät kommt, aber
wenn jemand dauernd zu spät kommt, scheint doch mit seinem Zeitmanagement etwas
nicht zu stimmen. Ist es nicht auch manchmal respektlos jemanden warten zu
lassen, da offenbar die eigene Zeit als wichtiger eingestuft wird als die Zeit
des Anderen? Vielleicht bin ich jetzt ein wenig streng oder ich verstehe
einfach nicht, dass 19.30Uhr nicht 19.30Uhr heißt, sondern ein Zeitfenster von
15 Minuten enthält, wie das akademische Viertel an der Universität. Wobei diese
Zeitangabe sinnvoll ist.
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