Samstag, 23. April 2011

Zum Welttag des Buches

Mein Deutschlehrer hat früher immer gesagt, man sollte drei Bücher im Regal haben und selbstverständlich auch gelesen: Karl Marx, Karl May und die Bibel. Nun muss ich zugeben, dass ich lediglich Letzteres in meinem Bücherregal habe, aber noch ein paar andere wichtige und auch weniger wichtige Bücher.

Am heutigen „Welttag des Buches“ habe ich mir mal wieder Gedanken gemacht, um DAS Bildungsmedium schlechthin. In Zeiten von E-Books ist das klassische Buch (noch) nicht verdrängt. Genauso wie es „richtige“ Buchläden gibt, obwohl man übers Internet so ziemlich alles bestellen kann, wird es hoffentlich nur eine Randerscheinung oder Ergänzung bleiben.

Denn wo kämen wir denn da hin, wenn der Germanistik-Professor interviewt wird und im Hintergrund ist nicht mehr das gut gefüllte Bücherregal zu finden. Was sollten die Buchhändler denn anstelle der Bücher in die Regale stellen: Kaffee, Gartengeräte, Joggingausrüstung, Bekleidung…?

Wie toll riecht doch ein Buch, wenn es schon alt ist, ein fantastischer Geruch, der eine Geschichte erzählt…Welch Genugtuung, wenn man behaupten kann: „Ja, die habe ich ALLE gelesen!“ Eine gute Freundin hat immer gesagt, dass Bücher wie Trophäen sind, die man sich ins Regal stellt. Und irgendwie so ist es doch auch, egal ob es nun Karl Marx, Karl May oder die Bibel ist.

Montag, 21. Februar 2011

Von Klömbjes und Diab-Ethikern - Fortsetzung

Heute hat mir die Dame vom Qualitätsmanagement geschrieben. Dem Bestechungsversuch (Klömbjes für mich!) bin ich nachgekommen. Selbstverständlich wollen sie den Fehler beheben, dann warten wir mal ab. Ach man, ich bin ja so käuflich, aber ist das nicht jeder, oder arbeiten die meisten Menschen ohne Entlohnung? Hab ich da was nicht mitbekommen...?

Samstag, 19. Februar 2011

Von Klömbjes und Diab-Ethikern

Obwohl in Apotheken eigentlich keine Präsente mehr verteilt werden dürfen, jedenfalls keine, die nicht zum Medikament passen, das man gerade käuflich erworben hat, kommt es doch immer wieder vor, dass man zu den Herztabletten Hustenbonbons bekommt. So kürzlich in einer Apotheke geschehen.

Heute kommt vieles von der friesischen Promi-Insel (Sylter Salatfrische, Aufkleber, die Porsche-Polonäse…) so auch die „Echt Sylter Brisen-Klömbjes, zuckerfreie Hustenbonbons“. Dieses fantastische Erzeugnis gibt es auf Sylt angeblich überall. Erstaunlich auch, dass dort offensichtlich viele Philosophen wohnen, leider ist mir die Spezies der Diabethiker noch nicht über den Weg gelaufen. Ich kenne Vernunftethiker, Sozialethiker, Tugendethiker, Bioethiker, Tierethiker…Meine "ernsthaften" Recherchen haben ergeben, dass es einen ägyptischen Sänger-Superstar mit Namen "Diab" gibt, einen Zusammenhang zweifle ich aber stark an!


Eine Mail an die Firma ist bisher unbeantwortet geblieben, wahrscheinlich müssen die zuständigen Firmenethiker noch in sich gehen und ausdiskutieren, ob und wie der vermeintliche Fehler entstanden ist und ob und wie man ihn behebt.

Donnerstag, 18. November 2010

„Nun sag, wie hast du’s mit der Philosophie?“ - Zum Tag der Philosophie

Was gibt es nicht alles für Gedenk- und Aktionstage, den Welttoilettentag, den Tag des deutschen Butterbrots, den Tag des Handtuchs…Manche mit mehr oder weniger ernstem Hintergrund. Doch kann es im Grunde nur zwei „wichtige“ Tage geben, den Welttag der Poesie und den Tag der Philosophie.

Warum braucht man einen Tag der Philosophie, einen (echten) Tag der Religion(en) gibt es auch nicht.

Was ist Philosophie überhaupt:

Die Philosophie umfasst alle Lebensbereiche und Fragen der Menschheit, das macht sie so interessant, im Folgenden will ich ein paar aufzählen:

Metaphysik (Der Name entstand dadurch, dass hinter Aristoteles Schriften zur Physik, diese Schriften geordnet wurden, [eben „meta“ altgr. für „nach“]):

Was ist das Sein? Was ist die Ursache von etwas? Worin besteht der Sinn?

Heute fand „zufällig“ ein Vortrag zum Thema „Sinn des Lebens“ statt. Das philosophische Seminar hatte Prof. Dr. Christian Thies geladen.

Leider konnte er eine wirklich befriedigende Antwort nicht geben, aber so ist das immer in der Philosophie, mehr Fragen als Antworten.

Er formuliert einige gängige Antworten und widerlegt sie:

  1. Gott gibt unserem Leben einen Sinn. -> Theodizee-Problem
  2. Wir können den Sinn des Lebens in der Natur entdecken -> setzt voraus, dass alles in der Natur einem Zweck unterworfen ist
  3. Die Geschichte wird den Sinn des Lebens offenbaren. ->wie lange soll man da warten, kann man ihn als einzelner Mensch dann überhaupt erkennen?
  4. Der Sinn des Lebens ist es, glücklich zu sein. -> Verschiedene Glücksvorstellungen
  5. Wir können unserem Leben einen Sinn geben. -> Wir können gar nicht alles selbst machen können, siehe Geburt, Partner finden, das waren eher passive Dinge, die uns gegeben wurden, warum sollten wir dann so etwas Großes wie einen Sinn uns selbst geben können

Viel Spaß beim drüber Nachdenken.

Logik

Ein klassisches Beispiel für logische Schlussfolgerungen

  1. Prämisse: Alle Menschen sind sterblich. [wahr]
  2. Prämisse: Sokrates ist ein Mensch. [wahr]

Konklusion: Sokrates ist sterblich.[wahr]

Die Prämissen sind wahr und die Konklusion ist richtig!

Schwierig wird es erst bei:

  1. Prämisse: Alle Menschen sind Säugetiere. [wahr] .
  2. Prämisse: Einige Säugetiere sind Wale. [wahr]

Konklusion: Einige Menschen sind Wale. [falsch]

Die zweite Prämisse sagt nichts über alle aus.

Ethik

Ein Teil der praktischen Philosophie und wohl der populärste, in Zeiten von Stammzellenforschung.

Der Philosoph Immanuel Kant, formulierte eine Frage dazu: Was darf ich tun?

Und gab auch gleichzeitig eine der bekanntesten und berühmtesten Antworten:

Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte.

Etwas weltlicher könnte man es so formulieren:

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Auch bekannt als „Goldene Regel“.

Allerdings ergibt sich ein aus oben genanntem Kategorischen Imperativ ein Problem, denn die „Lüge gegen einen Mörder, der uns fragte, ob unser von ihm verfolgter Freund sich nicht in unser Haus geflüchtet, wäre ein Verbrechen.“ Das widerstrebt doch dem gesunden Menschenverstand.

Religionsphilosophie

Ja, Religion und Philosophie schließen sich nicht aus! Ganz im Gegenteil.

Die Schöpfungslehre ist immer wieder ein philosophisches Thema.

Die griechischen Philosophen hatten allerdings ein Problem mit der Vorstellung, dass etwas aus dem Nichts geschaffen werden könne, durchaus nachvollziehbar auch heute noch.

Und was hat Gott getan, bevor er Himmel und Erde erschaffen hat? Der christliche Kirchenlehrer Augustinus soll darauf geantwortet haben:

„Die Hölle heiß gemacht für die, die ihre Nase in göttliche Geheimnisse stecken.“

Augustinus’ Erkenntnis war, dass Gott ewig und außerhalb der Zeit ist. Für die Menschen fing die Zeit aber erst mit der Schöpfung an, daher befindet sich Gott in einer immerwährenden Gegenwart. Nur die Gegenwart ist wahrhaftig, die Vergangenheit existiert nur als gegenwärtige Erinnerung und die Zukunft als gegenwärtige Erwartung.

Zu

Erkenntnistheorie

Existenzphilosophie

Sprachphilosophie

Anthropologie

Relativismus


Komme ich vielleicht später mal...

Mittwoch, 19. Mai 2010

Einmailen - jetzt aber Schluss!!

Ich hab lange nichts mehr von mir hören lassen, aber irgendwie ist mir nichts so vor die Linsen gekommen und nur irgendwas wollte ich auch nicht schreiben. Nun ist heute wieder der Tag gekommen, an dem ich mich zu Wort melde. Die anglizistischen Stilblüten werden ja immer bunter getrieben. Jedoch werden die vorwiegend englischen Begriffe nach deutschen grammatischen Regeln gebraucht. (z.B.: "I can download this song - Ich kann das Lied downloaden"). Heute wurde mir ein elektronischer Brief in mein virtuelles Postfach gesendet. Ein Feinkostgeschäft wirbt darin für sein Gewinnspiel. Am Ende befindet sich das Kleingedruckte, das auch so überschrieben ist und keinesfalls kleingedruckt ist, aber das ist eine andere Geschichte. Witzig sollte wohl die Formulierung "Einmailschluss" sein.


"To mail" heißt ja bereits "senden", egal auf welchem Weg, außerdem käme jetzt wohl niemand auf die Idee, die Adresse des Unternehmens herauszusuchen und dann eine Postkarte zu schicken.
In diesem Sinne "Auf Wiedersehen" - oder genauer "Auf Wiederlesen".

Sonntag, 21. März 2010

Zum Welttag der Poesie

Der 21. März ist der Welttag der Poesie und wie in letztem Jahr möchte ich zwei Gedichte vorstellen.
Das erste passt zum Frühlingsanfang und über das zweite könnt Ihr Euch Eure eigenen Gedanken machen:

Vorzug des Frühlings (Johann Klaj)

Im Lenzen, da glänzen die blümigen Auen
Die Auen, die bauen die perlenen Tauen,
Die Nymphen in Sümpfen ihr Antlitz beschauen,
Es schmilzt der Schnee,
Man segelt zur See,
Bricht güldenen Klee.
Die Erlen den Schmerlen den Schatten versüßen,
Sie streichen, sie laichen in blaulichten Flüssen,
Die Angel aus Mangel und Reißen beküssen,
Die Lerche, die singt,
Das Haberrohr klingt,
Die Schäferin springt.
Die Hirten in Hürden begehen den Maien,
Man zieret und führet den singenden Reien,
Die Reien, die schreien um neues Gedeihen,
Die Herde, die schellt,
D
er Rüde, der bellt,
Das Euter, das schwellt.

Monolog des verrückten Mastodons (Paul Scheerbart)

Zépke! Zépke!
Mekkimápsi – muschibróps.
Okosôni! Mamimûne …….
Epakróllu róndima sêka, inti …. windi …. nakki; pakki salône hepperéppe – hepperéppe!!
Lakku – Zakku – Wakku – Quakku — muschibróps.
Mamimûne – lesebesebîmbera – roxróx – roxróx!!!
———————————————-
Quilliwaûke?
Lesebesebîmbera – surû – huhû

Montag, 15. Februar 2010

Maische aus Menschbergen & der Hartz 4

Zur Zeit macht der Westerwilli mal wieder Schlagzeilen mit seinen Außerungen zu Hartz IV. Vor kurzem kam eine Sendung in der ARD zum Thema, den Link dazu gibts hier.

Ein Gastautor hat dazu eine satirisch-ironische Betrachtung verfasst, viel Spaß:

Am 12.01.2010 gab es „Menschen bei Maischberger“!

Diese sonst so beliebte Unterhaltungsschau entwickelte sich wohl unbeabsichtigt zu einem schrägen Drama einer Sozialklamotte mit Elementen von Kafka bis Wallraff. Unter dem irritierenden Titel „Maische aus Menschbergen“ hatte Frau M. ein hochkarätiges Expertenteam geladen, das große gesellschaftliche Problem der Arbeitslosigkeit auf unterhaltendem Niveau anzugehen. Wie man sah und hörte, versuchten die Fachleute an unterschiedlichen Fallbeispielen Lösungen zu finden. Da ereiferte sich der Sozialexperte mit etwas aufgesetzter Emphase. Da wetterte ein problemnaher Bürgermeister. Da dozierte ein weltferner Beamter. Inmitten residierte wie eine Fruchtbarkeitsgöttin der Antike unglamourös, aber von edler Fraulichkeit „Sandrina Megemonte“!

Zu ihrer „Rechtens“ der gewesene Bundesarbeitsführer „Gerstenkorn“, seit langem bewährter Staatsschauspieler, in allen Rollen seines Fachs einsetzbar. Ein erstklassiger Künstler, der bei reduzierter Mimik und neutraler Physiognomie eine Menge Blasiertheit und kultivierten Zynismus herüberbringt.

Dann der „Nestor“ der Sozialfachleute „Wilhelm T. Geßler“ mit beachtlicher Gedächtnisleitung, hantierte mit aktuellen Statistiken und führte mit verblüffender Sicherheit, penibel korrigierend, durch den neuesten Zahlendschungel der Arbeitsagenturen. Außerdem charakterlich gestählt durch seine Erfahrung als Bergsteiger. Mit allen Seilschaftsproblemen vertraut, wissend, dass es trotz aller modernen Sicherheitssystemen zum Absturz kommen kann.

Anwesend, unerlässlich, der bekannte Kleinstadtpolizist „Rambobowski“ aus Berlin Neuköpenik. Ein Praktiker, der hautnah am Abschaum, vergeblich und redlich und unverBlümt gegen Windmühlen kämpft. Umwabert von Knoblauchwolken und Billigbierdunst versucht er die Orientierung nicht zu verlieren.

Etwas eingeklemmt dazwischen der 1. Fall, vorgeführt in der Rolle als Delinquent. Ein guter 50er, fristet sein Leben schon 30 Jahre ohne geregelte Arbeit. Für das Tribunal eine rätselhafte Person. Er beantwortet Fragen höflich in fließendem Hamburger Tonfall trocken und reflexionslos, unaufgefordert gibt er nicht viel von sich preis. Stoisch mit bescheidener Selbstzufriedenheit erklärt er sich mit seiner Lebensführung einverstanden. Auf Befragen sieht er sein Verhalten als durchaus legitim an. Das Tribunal ist von solch ehrlicher Indolenz sichtlich beeindruckt.

Dann wurde der Deus ex Machina zugeschaltet. Wie ein Menetekel erschien auf einem Bildschirm der Geist eines Gerechtigkeitsgelehrten (gespielt von einem Hamburger Beamten), der in eindrucksvoller Weise, wie aus dem Jenseits, im gepflegten Gerichtsjargon aus den heiligen Schriften zitierte. Anschließend wurde der Delinquent zur Beurteilung freigegeben. Eine gespenstisch surreale Szene!

Die Sachverständigen Gerstenkorn und Rambobowski ließen unverBlümt erkennen, dass neben ihnen schlicht und einfach ein Schnorrer saß, nicht sozial integrierbar. Er müsste außerhalb des sozialen Gefüges einen Platz bekommen. Aber wo und wie?

Der Sozialexperte Geßler versuchte das Problem weicher und differenzierter anzugehen. Ein exotischer Fall!! Ein kranker Mensch! Sozial- und persönlichkeitskrank! Absolut untypisch als Arbeitsverweigerer.

Diese Persönlichkeitsstruktur entzog sich auf unheimliche Weise allen akademischen Bewertungen. Wie kann man diesen Sonderling erklären? Aus seinen kargen Äußerungen kann man absolut nichts ableiten. Ein Lebenskünstler, der sich frei zum Schmarotzertum bekennt? Ein Diogenes? (Lebte der als Honorarprofessor?)

Ein Kyniker, der mit eingeschränkter Lebensweise der Gesellschaft nicht allzu sehr zur Last fallen will? Ein Proletenhedonist? Vielleicht ahnt er, dass er im Arbeitsleben mit seinem Unvermögen die Tüchtigen nur stört? Bei seiner jetzigen Lebensweise geht er diesem Problem aus dem Weg. Er erträgt lieber die Verachtung der Gesellschaft und den Druck durch die Behörden, was tun?

Im Zuschauerraum machte sich Unruhe bemerkbar. Das vorwiegend ältere Publikum wusste von Lösungen, die heute tabuisiert sind. Aus dem Nebel der Vergangenheit tauchte der schmiedeeiserne gebogene Sinnspruch auf. Ein Spruch, der erst bei entsprechender Anwendung seine Deutung erhält.

Das Tribunal entließ den Delinquenten mit offensichtlicher Ratlosigkeit. Es versagte verstört wie ein Irrenarztkonsilium des 19. Jahrhunderts.

Das zweite Fallbeispiel! Eine sehr lebenstüchtig wirkende, blendend aussehende, sprachlich gewandte Frau, die sich dank Fördermaßnahmen der Arbeitsagentur von „Hartz“ in eine recht komfortable Situation gebracht hat. In die Selbstständigkeit gekommen und zeigt sich zuversichtlich und optimistisch. Ein klassischer Fall wie gut „vermarktbare“ Personen erfolgreich sein können. Die Stimmung wurde entspannter.

Dann ließ sich das dritte Fallbeispiel vorführen! Eine durchaus sympathisch wirkende Frau mit auffällig schlechter Zahnversorgung, allein erziehend, 4 Kinder, das Erste schon sehr früh bekommen, immer in prekären Familienverhältnissen leben müssen, aber nicht unbedingt lebensuntüchtig wirkend. Auch berufliche Qualifikationen ließen sich ausmachen. Ebenfalls Interesse am Einstieg in das Arbeitsleben, das sich, nach ihren Angaben, verständlich, schwierig gestaltet. Es kam die Sprache auf ihre finanzielle Situation, die sich aus verschiedenen Sozialleistungen zusammensetzt, eine Summe von 1700 € stand im Raum. Man wohnt im eigenen Haus, ein ererbtes Objekt, kein Neubau. Die Frau erklärte, dass sie mit den zu Verfügung stehenden Mitteln, die Familie nur äußerst knapp versorgen kann, es reicht einfach nicht!

Das reichte aber dem Sachverständigen Gerstenkorn! Diese etwas naive Lageschilderung erschien ihm wohl wie eine Provokation, mit verhaltener Empörung erklärte er, sie verfüge über das Lohneinkommen eines gestandenen Handwerkers (Tischler).

Das Publikum reagierte irritiert, war durch die geschickt rhetorische Fokussierung auf die 1700€ sichtlich beeindruckt. Hier hatte man eigentlich eine Aufschlüsselung der Ausgaben vornehmen müssen. Das hätte sich sicher extrem kompliziert gestaltet. Ein Betriebswissenschaftler, der dem Kinderschutzbund oder ähnlichen Einrichtungen nahe steht, hätte mal eine Analyse machen können. Es wäre ein Glaubenskrieg ausgebrochen.

An dieser Stelle wäre ein Zwischenspiel als Einschub sehr erhellend gewesen. Alle Protagonisten könnte man sich Sarah Carworker und Phil Masfield vorstellen. Mit ihrer Direktsicht auf die Probleme hätte manche Irritation beseitigt werden können. Mit ihren lebensnahen Analysen hätte man die zweifelnden Lager wieder stabilisieren können. Zur Entspannung des Publikums hätten die beiden ein dialektisches Ping-Pong-Spielchen veranstaltet mit dem erwarteten Ausgang: Die Bälle bleiben im Nebel verschwunden, das Publikum ist beglückt.

Um die Thematik intellektuell zu erhöhen, sollte man auch eine anerkannte Geistesgröße heranziehen. Die Bühne wäre geräumt, ein Stuhl, ein kleiner Tisch, ein Glas Wasser. Vorstellbar wäre der allseits bekannte Peter Schloterdeik. Ohne den Verdacht sich der modernen Kulturtechniken zu bedienen, könnte er im Qualm der Ideologien wie eine moderne männliche Phytia gewaltige Geistesgebäude auftürmen. Im Publikum wären sicher einige Leute, die begeistert einige Wortfetzen heraushören könnten. Die alten Herrschaftsmodelle werden erklärt. Auch im alten Hellas war Demokratie nur einem Teil des Volkes vergönnt. Es gab Heloten, Periöken und andere Volksgenossen.

Auch jesuanische Betrachtungen werden herangezogen: Das schwer verständliche Gleichnis vom getreuen Knecht: „Wer hat, dem wird gegeben“. Auch sehr geisterweiternd das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Ein Paradigma von erstaunlicher Weitsicht. Sehr gut anwendbar um die Problematik um die Kopfpauschale zu erklären. Die älteren Menschen mit der bescheidenen Volksschulbildung sind hier im Vorteil, mussten sich noch Bibellesungen und Lernen von Gesangbuchliedern über sich ergehen lassen. Die weiteren Ausführungen leiten dann aus dem Dunkel der Antike über Augustinus, Erasmus, Kant und Hegel, Marx und Merkel in den Dunst der Gegenwart. Nicht zu vergessen die heutigen Intellektuellen in der Politik, die Hochgebildeten, die Phalanx der Rechtsgelehrten, die elegant formulierenden, die Wortkämpfer, sind sie doch durch ihre heimischen Kanzleien direkt mit dem Volk verbunden. Eine sehr effektive Art von direkter Demokratie!

Das geläuterte Publikum ist nun in der Verfassung den Schluss herbeizusehnen.

Nachdem das Publikum durch Knopfdruck den Theatervorhang geschlossen hatte und sich gähnend in die inneren Gemächer begibt, in wohliger Sicherheit dem neuen Tage entgegenschlummert, will der Rezensent, bevor er das Gleiche tut, noch einmal (das letzte Mal) zusammenfassen.

Hatte diese Sendung, abgesehen von ihrem Unterhaltungswert, eine verborgene Botschaft? Wer stand dann hinter dieser Botschaft? War die Botschaft vielleicht unbewusst raffiniert getarnt? Oder hat der hypersensible Rezensent seine Phantasie überstrapaziert?

Wie es auch sei! Die Botschaften haben ihr Publikum erreicht. Der Spießer wurde betätigt. Der Sozialengagierte empörte sich. Die Betroffenen waren nicht dabei. Stellvertretend ihre Fallbeispiele, man sah ja RTL.

Fall 1: Ein armer Hund, ein Kyniker (der es nicht weiß) lebt zufrieden und teilt sein Essen mit seinem Hund.

Fall 2: Die sympathische Frau mit der Attitüde einer Karrierefrau teilte sich mit und alle wünschen ihr eine gute Zukunft.

Fall 3: Die liebe junge Frau wird ihre Kinder schon durchbringen und ihre Zahnversorgung ist kein Lifestyleproblem.

Der Rezensent verabschiedet sich mit der Entschuldigung für überspitzte Formulierungen, pseudo-intellektuellen Anspielungen, auch „Geschwurbel“ würde passen. Der Unterhaltungswert war die eigentliche Absicht. Aber das ist auch nicht ganz ernst gemeint.

Gute Nacht

auch Deutschland!


Donnerstag, 4. Februar 2010

Mein Unwort des Monats

Jürgen Körner wird heute in einer örtlichen Tageszeitung mit den Worten: „Das ist notwendig, weil der Geldbedarf da ist“, zitiert. Wer Jürgen Körner ist? Er ist der Sprecher der BKK für Heilberufe. Menschen in Heilberufen neigen nun mal zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit, das hat einfach mit ihrem Arbeitsgegenstand (Alte, Kranke...) zu tun, klar! Für dieses Risiko werden sie ja auch entlohnt, allerdings nicht alle entschädigt. War ja auch ihre eigene Entscheidung, sich in „Lebensgefahr“ zu begeben. Der Zusatzbeitrag ist also notwendig, weil die Leute zu oft krank werden. Allerdings ist gerade bei dieser Berufsgruppe (ausgenommen Ärzte), wie bei so vielen anderen, ebenfalls der Geldbedarf da. Geld kann ja jeder gut gebrauchen und wer keins hat, kann keins ausgeben/abgeben. Ach, was da noch alles dranhängt...